Früher saß in der Haupteinkaufsstraße von Bremerhaven ein altes Marktweib auf einem kleinen Schemel und verkaufte aus ihrem Handwagen pfundweise Granat. Der Ruf „Granat, frischer Granat“ hallte durch die Straßen und klingt so manchem Einwohner der Hafenstadt an der Mündung der Weser in die Nordsee noch immer im Ohr. Sogar ein Denkmal haben die Bremerhavener der Granatfrau mit ihrem Schürzenkleid und aufgestecktem Haar gesetzt. Sie erinnert an die Zeiten, als fangfrische Krabben täglich und für wenig Geld zu haben waren. Diese Zeiten sind längst passé, Krabben sind heute eine exklusive Spezialität, die es zwar im ganzen Lande zu kaufen gibt, aber nirgends so gut schmeckt wie in den Orten an der Nordseeküste.

Der Krabbenkutter mit seinem Möwenschwarm ist ein Wahrzeichen der Region

Krabbenkutter bringen die Nordsee-Spezialität täglich in die Häfen

Kutterhafen in Tönning. © Günter Pump / www.nordseetourismus.de

Spätestens seit dem 17. Jahrhundert wurden Krabben im Wattenmeer zwischen der Westküste Schleswig-Holsteins und den Niederlanden gefangen, allerdings anfänglich nur als Viehfutter und Dünger genutzt. Im Laufe der Zeit entwickelte sich an der Nordsee der noch heute das Landschaftsbild prägende Krabbenkutter als ein speziell für den Fang ausgerüstetes flachbodiges Schiff. Der Fang erfolgt über zwei Ausleger und muss noch an Bord abgekocht werden. Das Seewasser im Kochkessel sorgt für das typische Aroma der sich beim Erhitzen so schön rosa verfärbenden Krabbe. An Land wird der Großteil des Fangs an Verarbeiter verkauft, die die Krabben vor allem im Ausland schälen lassen. Ein Teil des Fangs bleibt jedoch vor Ort oder im küstennahen Umland und wird sowohl geschält als auch ungeschält verkauft.

Krabbenpulen ist ein großer Spaß – sogar eine WM findet alljährlich statt

Wer den größten Genuss haben möchte, kauft in den Küstenorten die ungeschälten Krabben im Pfund und „pult“ selber. Krabbenpulen ist natürlich eine Wissenschaft für sich und ein großer Spaß für alle, die sich im Urlaub an die kleinen Viecher herantrauen. Und so geht es: Der Kopf wird leicht gedreht, so dass er sich vom Körper löst und dann vorsichtig abgezogen, danach wird die restliche Schale entfernt. Flinke Finger können im Sommer an den allerorts veranstalteten Krabbenpul-Wettbewerben entlang der Nordseeküste teilnehmen, z.B. in Cuxhaven, Wremen, Bremerhaven oder bei den Husumer Krabbentagen im Oktober. Die echten Könner messen sich gar bei der alljährlichen Krabbenpul-Weltmeisterschaft Anfang Mai in Hamburg.

Maritime Feste feiern an der Nordsee

Die FISCHparty in Bremerhaven ist ein Festival für Fischliebhaber und Feinschmecker

FISCHParty. © bremerhaven.de 2009 – 2015

Doch die Nordseeküste hat in Sachen Fisch auch noch viele andere Spezialitäten zu bieten. Urlauber sollten nach Terminen für lokale Fischmärkte Ausschau halten. In Bremerhaven gibt es z.B. das Schaufenster, eine maritime Erlebniswelt rund um den Fisch und das Meer mit Meerwasseraquarium, Führungen, Theater und vielen Restaurants und Bistros in einer ehemaligen Fischpackhalle im Fischereihafen. Ein großes Event ist hier die FISCHParty im April, das vielleicht größte Fischfest an der Küste. In Cuxhaven findet mehrmals im Jahr ein Fischmarkt im Alten und Neuen Fischereihafen statt, bei dem auch zahlreiche Hamburger Marktschreier und Händler für Stimmung sorgen. Weiter nördlich begeistern die Husumer Hafentage Anfang August mit einem bunten Programm. Und ganz im Osten des Landes lockt Hooksiel mit den Hooksieler Heringstagen vom 14.-16. Mai 2016 und den Hooksieler Krabbentagen vom 01.-08. August 2016 sein fischverliebtes Publikum an.

Urlaub-Plus – Nordsee-Service-Card

Neben dem reichen Angebot an maritimer Unterhaltung bieten die niedersächsischen Küstenbadeorte noch ein weiteres Urlaubs-Plus: die Nordsee-Service-Card. Sie ist eine Eintritts- und Vorteilskarte für viele Attraktionen, Touren und Events in den beteiligten Partnerorten, ein vergünstigtes Busticket und die Zutrittskarte zu den Sand- und Grünstränden in allen Badeorten an der niedersächsischen Nordseeküste mit Ausnahme von Cuxhaven. Oder in Zahlen ausgedrückt: Vorteile für 15.000 Veranstaltungen, 100 km freie Strände in insgesamt 21 Orten.

Granat, frischer Granat!
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