2019 weckt das Bauhaus-Jubiläumsjahr mit einer Vielzahl von Veranstaltungen und Schauplätzen in ganz Deutschland Lust und Neugier, Spuren und Impulse dieser Kunstform zu erkunden. Bauhaus-Kenner genauso wie Neuentdecker sind eingeladen zu einer Reise zu den Ursprüngen und Wirkungsstätten der Moderne, dorthin, wo revolutionäre Ideen in Architektur, Kunst, Design, Fotografie oder Tanz entstanden und entstehen. Die „Grand Tour der Moderne“ verbindet dabei nicht nur herausragende Orte und wegweisende Zeugnisse der Bauhaus-Tradition zu einem faszinierenden Streifzug durch 100 Jahre Architekturgeschichte, sondern rückt auch neue Facetten von Deutschlands schönsten Reisezielen in den Fokus. Über 100 Orte legen deutschlandweit Zeugnis ab von der ebenso zeit- wie grenzüberschreitenden Strahlkraft der Bauhaus-Idee. Sieben Tourempfehlungen vermitteln den Besuchern wertvolle Anregungen, sich individuell per Auto, Bus, Bahn, mit dem Fahrrad oder auch zu Fuß auf die Spuren der Bauhaus-Tradition zu begeben.

Besuch an der Wiege der Bauhaus-Bewegung

Ein Highlight verspricht ein fünftägiger Tourvorschlag, bei dem die Besucher in die Anfänge des Bauhauses eintauchen. Von Thüringen, wo 1919 in Weimar alles begann, was später Architektur, Gestaltung und Kunst weltweit revolutionieren sollte, führt die Tour über Dessau in Sachsen-Anhalt bis nach Berlin. Weimar erlebt am 6. April einen Höhepunkt im Jubiläumsjahr, wenn das bauhaus museum mit der Neuinszenierung der weltweit ältesten, mittlerweile 13.000 Objekte und Dokumente umfassenden Sammlung der Klassik Stiftung Weimar eröffnet wird. Mit der Ausstellung „Van de Velde, Nietzsche und die Moderne um 1999“ feiert ebenfalls am 6. April auch das Neue Museum Weimar seine Neueröffnung. Von der frühen Phase des Bauhauses und der Moderne künden zudem das Musterhaus Am Horn in Weimar sowie die Fabrikantenvilla Haus Schulenburg in Gera, heute Henry-van-de-Velde-Museum. Neben diesen und weiteren Stätten machen über 50 Ausstellungen, Feste und Veranstaltungen allein in Thüringen das Bauhaus auf vielfältige Weise erlebbar.

Wenige Jahre nach seiner Gründung gelangte das Bauhaus in Dessau zu seiner Blüte. Hier errichtete Walter Gropius 1925–1926 das zur Ikone der Moderne gewordene Bauhausgebäude als „Hochschule für Gestaltung“, hier artikulierte sich in zahlreichen Bauten die maßgebliche Idee des Bauhauses: die moderne Gesellschaft mitzugestalten. Die ebenfalls von Gropius errichtete Meisterhaussiedlung für die Bauhaus-Lehrer avancierte zu einer der wichtigsten Künstlerkolonien der Moderne. Hier lebten Künstler wie Paul Klee, Wassily Kandinsky, Oskar Schlemmer, Lyonel Feininger, Georg Muche sowie Anni und Josef Albers. Auch Dessau blickt mit der im Herbst 2019 geplanten Eröffnung des Bauhaus-Museums einem Höhepunkt im Jubiläumsjahr entgegen. Damit kann erstmals die national wie international einzigartige, rund 40.000 Exponate umfassende Sammlung der Stiftung Bauhaus Dessau in ihrer ganzen Vielfalt und Qualität gezeigt werden. Ihr Finale findet die Tour schließlich in Berlin. Mit der Hauptstadt der Avantgarde waren zahlreiche Bauhäusler sowie weitere Vertreter der Moderne eng verbunden. Die Wohnhäuser in der Siedlung Siemensstadt, die Hufeisensiedlung oder die Villenkolonie am Rupenhorn legen davon ebenso eindrucksvoll Zeugnis ab wie die 2017 zum UNESCO-Welterbe gekürte Bundesschule des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes in Bernau, das zentrale Gebäude der brandenburgischen Bauhaus-Geschichte.

Meisterhaus Haus Kandinsky/Klee in Dessau. Foto: Yvonne Tenschert, © Stiftung Bauhaus Dessau

Meilensteine moderner Architektur und Wohnkultur

Ein dreitägiger Tourenvorschlag in Sachsen und Brandenburg stellt Werke großer Bauhausmeister in den Mittelpunkt – von Josef Albers‘ Glasfenster im Leipziger Grassimuseum über Erich Mendelsohns Kaufhaus Schocken, heute Staatliches Museum für Archäologie in Chemnitz, bis hin zum Haus Schminke von Hans Scharoun in Löbau, einem Musterbeispiel für das „Neue Bauen“ und für moderne Architektur im „International Style“. Es steht übrigens nicht nur für Besichtigungen offen, sondern lädt auch zum Übernachten ein. Auch Dresden reiht sich mit den bereits ab 1909 als Produktionsstätte neuen Typs errichteten Deutschen Werkstätten für Handwerkskunst sowie der ersten Gartenstadt in Dresden-Hellerau in die Reihe der sehenswerten Bauhaus-Orte ein.

Anknüpfend an das Wirken namhafter Architekten wie Otto Haesler, Erich Mendelsohn sowie Bruno und Max Taut rückt das Bundesland Brandenburg zum Jubiläum Bauten der Moderne und der Neuen Sachlichkeit unter anderem mit verschiedenen Ausstellungen im Kunstmuseum Dieselkraftwerk Cottbus in den Fokus.

Unter dem Motto „Die moderne Großstadt neu gedacht“ begibt sich ein Tourangebot im Südwesten Deutschlands auf die Spuren der Avantgarde. Vom Wirken berühmter Pioniere der Moderne wie Le Corbusier, Oskar Schlemmer, Johannes Itten und Max Bill zeugt zum Beispiel die bekannte Weissenhofsiedlung mit dem Museum im Haus Le Corbusier in Stuttgart. Sie gilt nicht von ungefähr als ein Meilenstein der Architekturmoderne. In Ulm schrieb die von Max Bill mitbegründete Hochschule für Gestaltung die Bauhausgeschichte fort und beeinflusste nachhaltig die Gestaltungsausbildung. In Karlsruhe verdeutlicht ein Besuch der Siedlung Dammerstock eindrucksvoll die Zeilenbauweise von Walter Gropius.

„Vielfalt der Gestaltung erleben“ heißt ein 2-Tages-Tourvorschlag in Hessen und Rheinland-Pfalz. Mit dem Pionierprojekt „Das Neue Frankfurt“ war Hessen in den 1920er Jahren einer der zentralen Schauplätze des Neuen Bauens. Margarete Schütte-Lihotzky entwarf mit der „Frankfurter Küche“ eine bahnbrechende Innovation für die Frankfurter Siedlungen und setzte neue Interieur-Standards. Bauhäusler wie Herbert Bayer, László Moholy-Nagy, Josef Albers oder Joost Schmidt haben mit der „Neuen Typografie“ oder „Elementaren Typografie“ auch das Grafik- und Kommunikationsdesign revolutioniert und weltweit geprägt. Ihr Wirken thematisiert das renommierte Mainzer Gutenberg-Museum im Jubiläumsjahr mit einer umfassenden Typografie-Sonderausstellung. Zum Abschluss bietet sich mit der Besichtigung des Weinguts Kreutzenberger in Kindenheim Gelegenheit, die Tour kulinarisch ausklingen zu lassen.

Bauhaus-Orte mit Welterbe-Status

Zu herausragenden Zeugnissen des Bauhauses im Westen führt ein Tourentipp in Nordrhein-Westfalen. Hier setzten Henry van de Velde, Karl-Ernst Osthaus, Peter Behrens und Walter Gropius frühe Impulse, die für die Bauhaus-Idee von entscheidender Bedeutung waren. Ein Höhepunkt ist das UNESCO-Welterbe Zeche Zollverein in Essen. Sie galt von Beginn an als „schönste Zeche der Welt“ und steht ebenso auf dem Programm der dreitäigen Tour wie die Bauhaus-Zeugnisse in Krefeld, wo Ludwig Mies van der Rohe mit dem Fabrikgebäude der Vereinigten Seidenwebereien und den heute von den Kunstmuseen Krefeld genutzten Unternehmer-Villen Haus Lange und Haus Esters neue Wege in der Architektursprache einschlug. Wie weitreichend das Bauhaus Malerei, Design und Fotografie beeinflusste, lässt sich zudem in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen bzw. im Museum Kunstpalast in Düsseldorf entdecken

UNESCO-Welterbestätte Bergwerk Rammelsberg im Harz. © Znajkraj, www.znajkraj.pl

Gleich zwei Weltkulturerbestätten prägen einen 3-Tage-Tourvorschlag zum Bauhaus-Jubiläum in Niedersachsen: das Fagus-Werk in Alfeld, ein Frühwerk von Walter Gropius, und das Erzbergwerk Rammelsberg in Goslar, Beispiel für die Entwicklung moderner Industriebauten in der Zeit des Nationalsozialismus. Zuvor können die Besucher die Bauhaus-Tradition in der Landeshauptstadt Hannover erkunden und in Celle auf den Spuren Otto Haeslers wandeln, dessen Siedlungen und Bauten im Bauhaus-Stil das Stadtbild betimmen.

Einblicke in die Moderne im Norden vermittelt ein 2-Tage-Tourvorschlag in der Freien und Hansestadt Hamburg. Zu den städtebaulichen Zeugnissen aus der Gründungsdekade des Bauhauses zählen das 2015 zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannte Kontorhausviertel mit dem 1924 erbauten Chilehaus, aber auch zahlreiche Siedlungsplanungen wie die Jarrestadt oder der Dulsberg. Mit dem Landhaus Michaelsen im Stadtteil Blankenese und dem Haus der Jugend in Altona richtet die Tour den Blick auf weitere Beispiele des Neuen Bauens in der Elbmetropole.

Weitere Informationen zu den Bauhaus-Orten gibt es unter www.grandtourdermoderne.de. Unterstützung bei der Planung der erwähnten Touren für Gruppen bietet die Agentur projekt2508 unter der Mailadresse touristikservice@bauhaus100.de an.