„Tjen di Biiki ön, tjen di Biiki ön!“ – „zündet die Biieke an!“. Spätestens nach dem dritten Ruf der Friesen verfallen auch die zugereisten Schaulustigen dem Charme des hiesigen Brauchtums und schmettern mit, wenn es wieder darum geht das riesige Feuer im Ort zu entfachen und damit dem Winter „tschüss“ zu sagen. Vielerorts wird die Biike – Friesisch für „Feuerzeichen“ – von plattdeutschem Gesang und Schauspiel begleitet. Im Anschluss trifft man sich in den gemütlichen Gaststuben zum traditionellen Grünkohlessen und lässt den Tag bei Kassler, Kohl und süßen Kartoffeln ausklingen.

2016 fällt der 21. Februar auf einen Sonntag und so bietet sich das Fest bestens für einen Ausflug nach Nordfriesland an.

Die Kirche auf der Hallig im nordfriesischen Wattenmeer gehört zur Gemeinde und Gemarkung Langeneß.

Kirche Oland. © Gemeinde Langeneß und Oland

Der Feuerbrauch des „Biikebrennens“ geht auf heidnische Zeiten zurück und sollte wohl den Gott Wotan gnädig stimmen, den ungeliebten eisigen Winter zu beenden. Auf den Inseln und Halligen verabschiedete man mit den Biikefeuern die Walfänger und gab ihnen mit dem Leuchtfeuer am Strand langes Geleit für ihre abenteuerliche Reise in ferne Gefilde. Das Datum am Vorabend des Petritags zu Ehren des Schutzpatrons der Fischer kommt nicht von ungefähr: Im Mittelalter ruhte die Schifffahrt zwischen Martini und dem Petrifest am 22. Februar. Heute lassen die Insulaner ihre alte Tradition alljährlich neu aufflammen und feiern mit Einheimischen und Gästen ein wunderbares Winterfest, z. B. auf der Hallig Hooge und auf der Hallig Langeneß. Ein besonderer Tipp für Langläufer: der 3. Biikefeuer-Ultramarathon zur Hamburger Hallig am 21. Februar. Der Winter-Lauf geht vom kleinen Ort Reußenköge über einen schmalen Damm hinaus in die Nordsee und zur „Hamburger Hallig“. Der Start ist erst um 14 Uhr, Läufer genießen den Sonnenuntergang über der Nordsee und werden als Krönung mit dem Biikefeuer auf der Hamburger Hallig belohnt.

Streiche spielen gehört dazu

Aber auch die Küstenorte lassen es ordentlich knistern und krachen. In der Abenddämmerung geht es meist mit einem Fackelzug vom Ortskern zum Feuerplatz. Mancherorts wird in alter Tradition eine Strohpuppe ins Feuer geworfen, das sogenannte Petermännchen, ursprünglich als ein Symbol gegen den christlichen Glauben. Kinder nutzen die Gunst der Stunde und spielen den Erwachsenen rußverschmiert Streiche. Und die wiederum treiben es zuweilen mindestens genauso bunt, wenn sie, wie bei Osterfeuern auch üblich, versuchen, die Holzstapel des Nachbarorts schon im Vorfeld anzuzünden.

Insgesamt rund 60 Küsten- und Inselorte von St. Peter-Ording bis List auf Sylt veranstalten am 21. Februar ihre Biikefeuer. Wer einen Ausflug plant oder im Urlaub an der Nordsee das Spektakel miterleben möchte findet auf www.nordseetourismus.de zahlreiche nützliche Infos. Übrigens, Sie begeben sich damit zu einer wahren Kulturveranstaltung: 2014 hat die UNESCO das Biikebrennen in das nationale Verzeichnis der immateriellen Kulturgüter aufgenommen. Wer hätte gedacht, dass die Friesen solch ein Feuer entfachen können…?

Tschüss Winter!
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