„Auf´baut werd!“ Meisterleistungen beim Aufbau des größten Volksfestes der Welt

Seit dem 18. Juli läuft der Aufbau für das diesjährige Oktoberfest in München. Zehn Wochen lang werden auf der Theresienwiese Festzelte, Fahrgeschäfte und Buden errichtet.
Die Organisation des Auf- und Abbaus der Wiesn ist eine riesige logistische Herausforderung: die großen Festzelte wiegen über 600 Tonnen, pro Zelt werden durchschnittlich 13 Kilometer Elektrokabel und 300 Meter Gas- und Wasserleitungen benötigt. Um ein Bierzelt fristgerecht aufzubauen, sind bis zu 80 Arbeiter im Einsatz.

Einer davon ist der Gabelstaplerfahrer Josef aus Niederbayern. Er sorgt dafür, dass die Container, die nach einem ausgeklügelten System auf der Baustelle ankommen, zügig entladen werden. So dass dann zum Bespiel der Fußboden nach dem Aufbau des Zeltes direkt verlegt werden kann – immerhin rund 35.000 Quadratmeter für ein Bierzelt: „Ich arbeite immer wieder gerne auf der Wiesn, es ist anstrengend, aber ich mag das Miteinander der Leute hier. Und das Essen in der Wiesnkantine schmeckt!“ Viele der Arbeiter sind jedes Jahr beim Aufbau dabei, andere werden kurzfristig eingestellt. Der Stress ist für alle Wiesnbauarbeiter gleich, denn bis Mitte September müssen die Zelte mit Bestuhlung, Dekoration, Küche und Ausschank stehen. Der Zeitplan ist straff, nach dem Ende des Oktoberfests muss alles in 5 Wochen wieder abgebaut sein.

Traditioneller Auftakt zum Fest ist der Einzug der Wiesnwirte und Brauereien. In geschmückten Wagen und Prachtgespannen ziehen Festwirte mit ihren Familien, Schausteller und Marktleute am 17. September 2017 von der Sonnenstraße auf die Theresienwiese. Angeführt wird der Zug vom Münchner Kind.

Tausende Glühbirnen in jedem Festzelt auf dem Oktoberfest

©Oktoberfest.de – Unzählige Glühbirnen müssen vor Start der Wiesn in die Fassungen geschraubt werden.

„O´zapft is“

Punkt 12 Uhr wird das 184. Oktoberfest vom Münchner Oberbürgermeister feierlich eröffnet: er zapft im Schottenhamel Zelt das erste Bierfass an. Bis zum offiziellen Startschuss der Wiesn – dem traditionellen Ruf „O´zapft is“ – darf in den anderen Festzelten kein Bier ausgeschenkt werden.
Unmittelbar nach dem Anstich geben Böllerschüsse das Zeichen für die anderen Fest-Wirte, dass die Wiesn begonnen hat.

Das Oktoberfest bietet aber mehr als gutes Brauerei-Bier und die Pflege von Brauchtum. Es ist eine Münchner Tradition, die ihren Anfang am 12.Oktober 1810 nahm. Zu Ehren der Hochzeit des königlichen Brautpaares Kronprinz Ludwig von Bayern und Prinzessin Therese wurde in München eine Woche lang gefeiert, den Abschluss bildete ein Pferderennen auf einer Wiese außerhalb des Sendlinger Tores.

In den folgenden Jahren wurde das Fest aufgrund der großen Begeisterung in der Bevölkerung wiederholt und wuchs stetig. Das anfangs sportlich ausgerichtete Fest bekam immer mehr einen Volksfestcharakter und entwickelte sich zu dem Bierfest von heute. Der Name für den Veranstaltungsort des Oktoberfests wurde von der Braut Prinzessin Therese übernommen und bald von den Münchnern zur „Wiesn“ abgekürzt. Im Lauf der Zeit wurde das Fest auf zwei Wochen verlängert und auf Ende September vorverlegt, um das mildere Wetter auszunutzen. Das letzte Wiesn-Wochenende liegt aber immer im Oktober.

Heute ist es das größte Volksfest der Welt und einzigartig in dieser Form: Tausende Menschen feiern gemeinsam, trinken das speziell gebraute Oktoberfest-Bier aus Maßkrügen und lassen sich das bayrische Essen schmecken. Die meisten Touristen kommen genauso wie die Bayern in Tracht, d.h. in Dirndl und Lederhose.

Besonders schöne originale Trachten kann man am Trachten- und Schützenzug am ersten Oktoberfest-Sonntag sehen. Genau wie die Wiesn selbst ist dies ein Erlebnis für die ganze Familie: Vertreter verschiedener Brauereien, tausende Mitwirkende aus Trachten- und Schützenvereinen, Musikkapellen und Spielmannszüge bieten ein historisches und farbenprächtiges Spektakel.

„Eins, zwei, Gsuffa“

Traditionelles Anstoßen mit Maßkrügen im Festzelt

©Oktoberfest.de – Ein Prosit der Gemütlichkeit schallt es jedes Jahr durch München zur Oktoberfestzeit.

Oktoberfest 2017 auf einen Blick:

Die Wiesn findet vom 16. September bis 3. Oktober statt, der Eintritt ist kostenlos. Die Zelte haben an den 17 Wiesntagen von 9 Uhr am Wochenende beziehungsweise von 10 Uhr werktags bis jeweils 23.30 Uhr geöffnet, der letzte Ausschank findet um 22.30 Uhr statt.
Ausnahmen sind die „Käfer Wies`n-Schänke“ und das „Weinzelt“, die bis 1 Uhr geöffnet haben. Ende des Ausschanks ist dort um 00.30 Uhr.

Die Fahrgeschäfte nehmen um 10 Uhr den Betrieb auf, die letzte Fahrt oder der letzte Eintritt erfolgt zwischen 23:30 Uhr und 0:00 Uhr.

Insgesamt gibt es rund 119.000 Sitzplätze in den 14 großen Zelten, die unterhalb der Bavaria zu finden sind:
Marstall, Armbrustschützen-Festhalle, Hofbräu-Festzelt, Hacker-Festzelt, Schottenhamel, Winzerer Fähndl, Schützen-Festzelt, Käfer´s Wies´n-Schänke, Weinzelt, Löwenbräu-Festhalle, Pschorr-Bräurosl, Augustiner-Festhalle, Ochsenbraterei, Fischer-Vroni.
Die größte Festhalle ist das Hofbräu mit 10 000 Sitzplätzen im Zelt und Biergarten. Es ist besonders bei Touristen aus Australien und Neuseeland beliebt. Daneben findet man noch kleinere Zelte, in denen vor allem die familiäre Atmosphäre zählt, wie beispielsweise das Wirtshaus im Schichtl, Hochreiter´s Haxnbraterei oder der Goldene Hahn.
Im letzten Jahr waren über 170 Fahrgeschäfte und 144 Gastronomiebetriebe auf der Wiesn vertreten, mit 8000 fest angestellten und 5000 zeitweiligen Wiesn-Beschäftigten.
Im Servicezentrum hinter dem Schottenhamel-Zelt sind das Rote Kreuz, die Polizei und das Fundbüro untergebracht: Jacken, Pullover, Handys, Brillen, Schlüssel, Ausweise und traditionell mindestens eine Zahnprothese werden jedes Jahr dort abgegeben, im letzten Jahr waren unter den knapp 3000 Fund-Gegenständen auch ein Hund, drei Eheringe, zwei Lederhosen und Dirndl.

„Wiesntisch-Reservierung“

Um einen Wiesntisch muss man sich so früh wie möglich bemühen.
Die Platzreservierung startet in der Regel mindestens ein halbes Jahr im Voraus, spätestens im Februar. Die meisten Plätze sind rasch ausgebucht, da auch viele Münchner Firmen mit ihren Kunden oder Mitarbeitern auf die Wiesn gehen. Vor allem an den Wochenenden herrscht oft so großer Andrang, dass bereits vor der Öffnung der Zelte viele Besucher anstehen und die Zelte dann rasch wegen Überfüllung geschlossen werden. An den Werktagen wird es am Nachmittag sehr schnell voll. Nur mit sehr langem Warten oder mit einer Tischreservierung kommt man später noch in ein Zelt hinein.

Plätze können immer nur tischweise, also für jeweils 10 Personen reserviert werden. Die Reservierung selbst ist kostenlos, es müssen jedoch für jede Person im voraus Verzehrgutscheine erworben werden, deren Preis je nach Zelt und Tageszeit variiert. Der Tisch kostet immer diesen Mindestumsatz, nach dem Aufbrauchen der Marken bestellt man direkt bei der Bedienung.

Die Reservierung erfolgt direkt bei den Zeltbetreibern. Man kann seine Chancen erhöhen, wenn man sich gleich bei mehreren Zelten bewirbt. Hat man es einmal geschafft, einen Tisch zu reservieren, wird man das nächste Jahr als Stammkunde bevorzugt behandelt. Ansonsten gilt, dass man in kleineren Zelten, im Biergarten, während der Mittagszeit oder nachmittags eher einen Tisch bekommt als beispielsweise am Wochenende.

Alte Wiesn:

Zum 200. Jubiläum der Wiesn fand 2010 im Südteil der Theresienwiese zusätzlich eine historische Wiesn statt: mit einem Festzelt, Kulturprogramm, alten Karussellen und Fahrgeschäften sowie einem Pferderennen wie in den Anfangsjahren.
Die alte Wiesn oder auf bayrisch „Oide Wiesn“ war so beliebt, dass sie nun abwechselnd zur Landwirtschaftsausstellung stattfindet. Sie kostet 3 Euro Eintritt und hat sich besonders bei den Münchner Besuchern als eine echte Oktoberfest-Alternative etabliert: Die Einheimischen schätzen die entspannte authentische Atmosphäre dort.
Ansonsten teilt sich die Münchner Bevölkerung auf in Wiesnfans, die fast jeden Tag auf dem Volksfest zu finden sind, und traditionellen Wiesn-Verweigerern, die um diese Zeit bevorzugt in den Urlaub fahren. In der Regel sind aber fast alle Altersgruppen vom Wies-Virus infiziert: von den Kindern über die Teenager bis zu älteren Münchnern, die schon aus Tradition mindestens einmal das Oktoberfest besuchen.

Wiesn-Etikette:

Um das Oktoberfest richtig genießen zu können, gibt es ein paar Tipps:
Bier gibt es nur in Maßkrügen und die korrekte Bestellung lautet „ a Maß“, nicht „eine Maas“. Radler gibt es in manchen Zelten im Maßkrug, in anderen erhält man eine Limo separat. Die Klassiker zur Maß sind Hendl und Brezn, die man auch mit den Fingern essen darf. In der Regel kommen die meisten Besucher in Tracht, dies ist jedoch von Zelt zu Zelt unterschiedlich ausgeprägt.
Bis 18.00 Uhr wird unter der Woche in den meisten Zelten nur bayerische Blasmusik gespielt. Danach beginnen die Bands mit den bekannten Schlagern zum Mitsingen und Mittanzen.
Wenn man in einem Bierzelt auf der Empore sitzt, darf man nicht auf den Bänken tanzen, im Bierzelt selbst ist Tanzen auf den Bänken erlaubt, auf den Tischen jedoch nicht. Hier ist sonst die Security sehr schnell zur Stelle. Ihren Anweisungen sollte man zu seiner eigenen Sicherheit immer Folge leisten. Ebenso sollte man im eigenen Interesse den mit Bierkrügen und Essentabletts bepackten Kellnern und Kellnerinnen ausweichen bzw. Vorfahrt lassen.
Schunkeln im Zelt geht immer, beim Flirten sollte man allerdings darauf achten, wie die Damen ihre Dirndlschleife gebunden haben. Sie sagt nämlich etwas über den Beziehungsstatus aus: Links heißt ungebunden, rechts vergeben, hinten verwitwet oder man ist an eine Kellnerin geraten.

Gut zu wissen:

  • Der Bierpreis beträgt 2017 zwischen 10,60 und 10,95 Euro.
  • Im letzten Jahr besuchten 5,6 Millionen Gäste die Wiesn und verzehrten 114 Ochsen und 50 Kälber. Sie tranken insgesamt 7,3 Millionen Maß Bier.
  • Der öffentliche Nahverkehr in München verbuchte in der letzten Wiesnzeit 3,5 Millionen zusätzliche Fahrgäste.
  • Alle Zelte können ohne Eintritt besucht werden, die Benutzung der Toiletten ist kostenlos.
  • 2016 gab es erstmals umfangreiche Einlass-Kontrollen, die zur Sicherheit der Wiesn-Besucher dienen.
  • So kann man in diesem Jahr das Festgelände bei Überfüllung der Zelte nur mit einem Einlassband betreten. Dies gilt für den 24.September, 1. und 2. Oktober von 13-19 Uhr, den traditionell besucherstärksten Tagen des Oktoberfestes. Die Festwirte verschicken die Einlassbändchen zusammen mit den Tischreservierungen.
  • Dienstag ist Familientag auf der Wiesn. Von 12-18 Uhr bieten zahlreiche Fahrgeschäfte und Buden Sonderkonditionen für Kinder und Familien.
  • Für die Festzeltbesucher gilt: die Mittagswiesn von 10.00 bis 15.00 Uhr nutzen! Oft gibt es günstige Mittags-Angebote oder Rabatte bei den Fahrgeschäften und es geht deutlich entspannter zu als am Abend.
  • Die Maßkrüge aus den Zelten darf man nicht mitnehmen, obwohl sie ein beliebtes Souvenir sind.
  • Bier- und Hendlmarken, die man in den Zelten nicht mehr einlösen kann, verfallen nicht, man kann sie später in bestimmten Restaurants in München einlösen.

Wiesn-Tipps:

Rund um den Volksfestplatz sind alle Straßen gesperrt, der Verkehr wird großräumig umgeleitet. Direkt zum Fest kommt man am besten zu Fuß (beispielsweise vom Hauptbahnhof aus), mit öffentlichen Verkehrsmitteln, einem Taxi (nachts oft sehr schwer zu bekommen) oder einer der zahlreichen Fahrrad-Rikschas.

Als Alternative zur U-Bahn Station Theresienwiese – sie ist oft überfüllt – bieten sich die Stationen Goetheplatz oder Poccistrasse oder die S-Bahn Station Hackerbrücke an. Dann läuft man über die für den Verkehr gesperrte Brücke und einen Fußgängerübergang zum Festgelände – Buden am Straßenrand und Partymusik stimmen die Besucher hier schon auf den Wiesnbesuch ein.

Wenn die Zelte voll sind, lohnt es sich, sich nach einem Platz in die Biergärten umzusehen. Und unbedingt eine Ochsensemmel probieren!

Vor dem Gang ins Bierzelt einen Bummel über die Wiesn einplanen und Schießbuden, Hau den Lukas, Geisterbahn, Looping, Achterbahn oder Karussells anschauen und fahren – eine Fahrt nach dem Bierzeltbesuch ist weniger zu empfehlen. Die schönste Sicht über den Oktoberfestplatz hat man von einer der Gondeln des Riesenrads.

Wenn man von auswärts anreist, sollte man sich – ähnlich wie beim Wiesn-Tisch – sehr frühzeitig um eine Übernachtungsmöglichkeit kümmern. Während des Oktoberfests steigen die Hotelpreise extrem an. Damit der Wienbesuch nicht zu teuer wird, gibt es die Möglichkeiten, bei der Hotelübernachtung ins Münchner Umland ausweichen, eine private Unterkunft bei Münchnern zu suchen oder auf einen der zahlreichen Campingplätze in und um München zurückgreifen.

Das zweite Oktoberfest-Wochenende sollte man wenn möglich meiden – dann ist die Wiesn fest in italienischer Hand. Neben Österreich, Holland, den USA oder Japan ist das Oktoberfest besonders bei den Italienern beliebt.

Auch nach dem Ende des Ausschanks in den Zelten des Oktoberfests kann man weiterfeiern: Die After Wiesn findet vor allem in Clubs und Bars rund um die Theresienwiese statt.

„Aus is“

Hacker-Pschorr-Festzelt Oktoberfest

©Oktoberfest.de – Eines der beliebtesten Zelte bei jungen Einheimischen – das Hacker Festzelt.

Nach 17 Wiesntagen wird das Ende des Oktoberfestes besonders stimmungsvoll im Hacker-Festzelt zelebriert: die Bedienungen verteilen Wunderkerzen, die die Besucher beim letzten Lied des Abends schwenken.

Und wem es dann bis zur nächsten Wiesn zu lange hin ist, stattet einfach dem Münchner Bier- und Oktoberfestmuseum einen Besuch ab.

Oktoberfest 2017 – die Wiesn in München
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